Vortrag - Schmerz: Symptom oder Krankheit?

Die Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe organisierte nun bereits zum wiederholten Male in Zusammenarbeit mit der Rheumaliga und unterstützt durch die AOK Gesundheitskasse einen Vortragsabend für Schmerzpatienten.

In diesem Jahr informierten gleich zwei mit diesem Thema besonders vertraute Fachärzte die interessierten Zuhörer im nahezu voll besetzten Saal der AOK Gesundheitskasse in Buchen nämlich PD Dr. med. Harald Genzwürker, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an den Neckar-Odenwald-Kliniken Buchen und Mosbach, Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie sowie Dr. med. Ulrich Hedderich, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Endokrinologie, Arzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Diabetologe DDG, Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Rheumatologie, Klinik im Hofgarten, Bad Waldsee, Waldburg-Zeil Kliniken GmbH.

PD Dr. med. Harald Genzwürker erläuterte zunächst in einem sehr lebendigen und gut verständlichen Vortrag die neusten Erkenntnisse zum Thema Schmerz als nötiges Warnsignal des Körpers einerseits und Schmerzen als eigenständige chronische Erkrankung

Schmerz ist ein Teil des menschlichen Lebens und besitzt eine wichtige Warnfunktion, um den Körper vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Während Schmerzen in der betroffenen Region entstehen, werden sie im Gehirn wahrgenommen. Wichtig ist die ganz subjektive Wahrnehmung von Schmerzen: gleiche Schmerzereignisse werden von verschiedenen Personen aufgrund ihrer individuellen Vorgeschichte, sozialen und kulturellen Prägung ganz unterschiedlich wahrgenommen ("Erfahrungen mit Schmerzen sind so individuell wie Erfahrungen mit der Liebe").

Bei der Versorgung akuter Schmerzzustände konnten deutschlandweit Defizite nachgewiesen werden (DGSS, Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes; www.dgss.org). In den Neckar-Odenwald-Kliniken wurde jüngst ein umfassendes Konzept zur Versorgung akuter Schmerzzustände erarbeitet und eingeführt, um diesen wichtigen Aspekt der Versorgung weiter zu stärken. Neben der Reduktion von Komplikationen im Verlauf durch Schmerzen spielt dabei die Beschleunigung des Genesungsprozesses eine wichtige Rolle. Schmerzerfahrungen eines jeden Menschen werden im Schmerzgedächtnis gespeichert. Dies führt unter anderem dazu, dass die Schwelle für die Schmerzwahrnehmung bei weiteren Eingriffen herabgesetzt sein kann. Entsprechend wichtig ist die rasche Behandlung von Schmerzen, besser noch die Vermeidung von Schmerzzuständen unter anderem durch den Einsatz einer vorbeugenden Schmerztherapie. Wenn Schmerzen zur chronischen Erkrankung werden, sich "verselbständigen", kommt es teilweise zur Schmerzwahrnehmung, obwohl der eigentliche Auslöser nicht mehr vorhanden ist - die Intensität der Schmerzen ist aber genau so hoch. Wichtig ist, dass chronische Schmerzzustände frühzeitig behandelt werden. Eine Beachtung der körperlichen, aber auch der psychischen und sozialen Begleitumstände gehört dabei heute mit zum Behandlungskonzept. Eine Anlaufstelle für Patienten in der Region ist die Schmerzambulanz am Standort Buchen der Neckar-Odenwald-Kliniken.

Die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) betont in ihrer Ethik-Charta aus dem Jahr 2007, dass jeder Mensch mit Schmerzen Anspruch auf eine angemessene Schmerzbehandlung hat. Gleichzeitig wird aber auch darauf hingewiesen, dass Aktivität, Kreativität und Entspannung Schmerzen zusätzlich zur medikamentösen Therapie erleichtern können und "Schmerz und Freude einander nicht ausschließen".

Vor diesem Hintergrund fordert der Referent dazu auf, sich durch den Schmerz, der sich zur eigenständigen Krankheit entwickelt hat, nicht in Isolation und Einsamkeit treiben zu lassen, sondern Kontakte - wie beispielsweise in den Selbsthilfegruppen - zu pflegen und mit den krankheitsbedingten Einschränkungen aktiv am Leben teilzunehmen.

Nach einer kurzen Bewegungspause informierte Herr Dr. med. Ulrich Hedderich über die neuesten Medikamente in der Rheumabehandlung. Hier habe sich gerade in den letzten 10 Jahren sehr viel bewegt. Zahlreiche neue Medikamente können heute zur Behandlung von Rheumaerkrankungen eingesetzt werden. Allerdings ist hier eine genaue Abwägung erforderlich. Diese Medikamente finden vor allem für diese Patienten Verwendung, denen mit den bisherigen Mitteln nicht geholfen werden konnte. Die Behandlung mit den neuen Mitteln kostet die Kassen pro Patient jährlich über 20.000 EUR - ein Betrag, bei dem es verständlicherweise genaue Vorgaben für deren Einsatz gibt.

Die zahlreichen Zuhörer haben an diesem Abend viele interessante neue Informationen erhalten. Nach den Vorträgen gab es noch die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu stellen, die diese auch klar und verständlich beantworteten.

Wieder einmal zeigte sich am regen Interesse, wie wichtig gerade auch hier auf dem Lande solche Fachvorträge sind, welche die Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe daher auch bereits zum wiederholten Male organisierte, seit einigen Jahren in Kooperation mit der Rheuma-Liga und immer unterstützt durch die AOK Gesundheitskasse. Ohne diese starken Partner könnte die Selbsthilfegruppe solche Aufgaben nicht schultern.

 

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