Wenn die Seele schmerzt Die psychosomatische Behandlung des chronischen Schmerzes

Auf Einladung der Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe Buchen und der Rheumaliga Neckar-Odenwald-Kreis sowie der AOK Buchen referierte Tobias Link, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leitender Arzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie über die Behandlung chronischer Schmerzerkrankungen.

Das Thema des Vortrages -Wenn die Seele schmerzt- machte bereits klar, Schmerz betrifft den gesamten Menschen, sein Empfinden und sein Handeln. Reduzierte Leistungsfähigkeit, gestörter Schlaf, rasche Erschöpfung, Depressivität, Gereiztheit im Umgang mit nahen Angehörigen und sozialer Rückzug sind häufige Folgen chronischer Schmerzen. Auf der körperlichen Ebene führen Schonhaltungen und Inaktivität zu Fehlbelastungen von Gelenken und möglicherweise zum Muskelabbau, woraus weitere Schmerzen erwachsen können.

Der Referent stellte anschaulich dar, dass chronische Schmerzen kein Randphänomen sind, sondern tägliche Realität für viele Menschen. Etwa 8 Millionen Menschen sind in Deutschland von chronischen Schmerzen betroffen. 700 000 davon habe so ausgeprägte Schmerzen das sie einer speziellen Schmerztherapie bedürfen. 20 % von diesen leiden zusätzlich unter Depressionen, bei Menschen mit Fibromyalgie, einer Erkrankung des Stress- und Schmerzverarbeitungssystem leiden sogar 60-70 % unter Depressionen und Angsterkrankungen.

Nach Ausführung über die Neurobiologie des Schmerzes erfuhren die ca.100 Personen im vollbesetzten Saal des AOK Gesundheitszentrum Buchen von den Unterschieden zwischen akuten und chronischen Schmerzen; so beispielsweise, dass körperliche Schonung chronische Schmerzen befördert, dass Schmerzmedikamente wie Paracetamol bei chronischen Schmerzen nicht wirken und das die Besserung der Stimmung, der Abbau von Angst sowie die Behandlung von Schlafstörungen wesentliche Bausteine einer wirksamen Behandlung chronischer Schmerzen darstellen. Dabei kommen neben medikamentösen Behandlungsansätzen psychotherapeutische Behandlungsverfahren, Physiotherapie, Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson sowie Akupunktur zur Anwendung.

In dem Vortrag wurde auf anschauliche und verständliche Art deutlich, dass die Information betroffener Schmerzpatienten über ihr Krankheitsbild und dessen Behandlungsmöglichkeiten bereits therapeutische Wirkung entfaltet. Umfassende und verständliche Informationen helfen den Teufelskreis aus hilflosem Ausgeliefertsein, Angst, vermehrter muskulärer Anspannung und daraus folgender Zunahme der Schmerzen zu durchbrechen. Die Behandlung chronischer Schmerzen erfolgt in der Regel bei niedergelassenen Fachärzten und Therapeuten, wobei eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen erforderlichen Fachdisziplinen notwendig ist. Bei darüber hinaus bestehender Behandlungsbedürftigkeit bieten auch die Neckar-Odenwald-Kliniken am Standort Buchen im Rahmen der Schmerzambulanz und der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie spezialisierte Behandlungsangebote. Darüber hinaus gelten für alle Behandlungsbereiche der Neckar-Odenwald-Kliniken moderne Behandlungsrichtlinien mit dem Ziel akute Schmerzen effektiv zu behandeln und dadurch auch einer Chronifizierung von Schmerzen vorzubeugen. Der Vortragsabend endete mit einer anregenden Diskussion und interessierten Fragen der Zuhörer.

 

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